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"Der Anständige"

Montag 22 September 2014 um 15:49 Uhr von beatOpa in ZELLULOID & DVD

„Seit meiner Kindheit verbinde ich mit Bildern von Himmler, Eichmann, Goebbels, Hitler und Konsorten die Abbilder des Unmenschen an sich. Mir scheint, ihr grauenhaftes Tun ist ihnen auf erschreckende Weise in einer beängstigenden Trivialität in ihre Physiognomie eingezeichnet.“ (Inge Borchert-Busche)

Vorab meine Filmbesprechung zu "Der Anständige" (PANKE-SPIEGEL 06/2014 erscheint zum 1. November):

Pappi fährt mal kurz nach Auschwitz

Post-dokumentarisches Porträt zu Heinrich Himmler

In den Pausen, die ihm zwischen den Inspektionen der Truppe im Osten und den Abstechern in die Vernichtungslager bleiben, schreibt Reichsführer SS Heinrich Himmler zahlreiche Briefe an seine Frau Margarete und seine Tochter Gudrun. Manchmal unterzeichnet der liebevolle Familienvater, der „Tag und Nacht arbeitet“, mit „Heini“, manchmal mit „Euer Vati“, dann wieder mit „Pappi“. Er schickt in den „schweren Jahren“ Pakete mit Schokolade, Obst, Goldschmuck, Seiden- und Wollstoffen an seine Familie, die bald um den Ziehsohn Gerhard erweitert wird, weil Himmlers Frau keine weiteren eigenen Kinder bekommen kann. Der Reichsführer SS leidet unter dieser Tatsache und hält Ausschau nach einer Geliebten, die ihm in den nächsten Jahren zwei weitere Kinder schenkt. Die Beziehung bleibt bis 1940 geheim, dann erfährt seine Ehefrau davon. Sie reagiert verbittert, doch Himmler schreibt auch an Hedwig Potthast Briefe und schickt Packete. Meistens sind diese Schreiben mit „Dein Heini“ unterzeichnet.
In ihrem Film „Der Anständige“ nähert sich die israelische Filmemacherin Vanessa Lapa einem Mann, der zu den mächtigsten und einflussreichsten Männern des Nazi-Regimes gehörte. Nur zwei Tage nachdem Himmler von britischen Soldaten in Niedersachsen gefangengenommen wurde, nahm er sich das Leben. Er biss auf eine Zyankalikapsel. Zuvor hatte er seine Sekretärin Erika Lorenz angewiesen, alle persönlichen Dokumente, die er in seinem privaten Safe in seiner Villa am Tegernsee aufbewahrte, zu vernichten. Lorenz kam jedoch zu spät. Amerikanische Soldaten hatten das Haus bereits besetzt und die Dokumente mitgenommen. Jetzt verlor sich die Spur von Himmlers Briefen, Fotos und Tagebüchern. Mehr als 60 Jahre später gelangte Himmlers private „Sammlung“ in den Besitz einer israelischen Filmproduktionsfirma. Diese Dokumente bildeten schließlich die Basis für „Der Anständige“. Von seiner Taufe bis zu seinem Suizid zeigt der Film chronologisch das Leben und die Karriere eines Mannes, der ebenso wie Eichmann kein Monster im eigentlichen Sinne war. Vielmehr scheint auch auf Himmler die Charakterisierung „Die Banalität des Bösen“, die Hannah Arendt einst prägte, zuzutreffen. Der Großteil der Filmdialoge basiert auf sorgfältig ausgewählten Exzerpten aus den Briefen Himmlers an seine Frau, seine Tochter und seine Geliebte sowie aus deren Antworten. Teilweise ist die unkommentierte Authentizität nahezu erschütternd. Etwa, wenn die damals 13-jährige Tochter Gudrun ihrem „Pappi“ von einem „Ausflug“ ins Konzentrationslager Dachau berichtet, der ihr „sehr gut gefallen“ habe, besonders die dortige „Ordung“, die „Gärtnerei“ und die „Bibliothek“. Hinterher hätte sie mit allen Tanten und anderen Familienmitgliedern ein Picknick veranstaltet, auf dem sie „richtig viel gegessen“ habe.
Himmler selbst beschriebt nie, welchen Geschäften er hinter der Front  im Osten täglich nachgeht. Jedoch berichtet er von „sehr viel Arbeit“, die mit „Anstand“ zum Wohle Deutschlands gemacht werden müsse. Er schreibt, er fahre dieser Tage mal kurz nach Auschwitz und Lublin, und immer wieder teilt er seinen Lieben mit, dass er „sehr gut schlafen“ könne, jedoch mitunter Magen-Darm-Probleme habe.
„Man muss im Leben immer anständig und tapfer sein und gütig“, hatte Himmler seiner Tochter ins Poesiealbum geschrieben. Er war mit sich selbst im Reinen und offensichtlich zutiefst davon überzeugt, seinem Führer und dem deutschen Volk ehrenhaft zu dienen.
151 Quellen aus 53 Archiven in weltweit 13 Ländern führt Filmemacherin Vanessa Lapa mit dem Nachlass Himmlers zusammen. Dabei sind auch bislang unveröffentlichte Szenen aus 8mm, 9mm-Pathé sowie 16mm-Filmmaterial zu sehen, die durchweg nachvertont wurden. So wirkt es unheimlich und mitunter unerträglich, wenn beispielsweise bei Massenhinrichtungen das Durchladen der Karabiner zu hören ist oder wenn beim Verladen jüdischer Frauen, Kinder und Greise die Türen der Viehwaggons in ihre Schlösser fallen.   
„Der Anständige“ ist erschütterndes post-dokumentarisches Kino.

Bob Marley im Kino

Montag 25 Juni 2012 um 09:35 Uhr von beatOpa in ZELLULOID & DVD
Spiritualität – Ganja - Pulverdampf
 
Von Peter Krause
 
Er war der unbestrittene König des Reggae: Bob Marley. Seit Mitte Mai läuft in den Programmkinos unserer Republik der Film „Marley“; eine Dokumentation über das Leben des 1981 an Krebs verstorbenen jamaikanischen Ausnahme-Künstlers. 
Erinnerungen kamen hoch im Kinosessel. Erinnerungen an Lebensfreude, tropische Temperaturen, lecker karibisch Mittagessen, Musik, Musik, Musik, Mento, Ska, Reggae und Schüsse, Blut, Tod. Alles das gibt diese Doku her. Extrem laut waren dann auch die Schüsse auf Bob Marley aus den Kinolautsprechern bei der dramatischen Schilderung des Attentats auf ihn am 3. Dezember 1976. Zwei Tage vor dem „Smile-Jamaica“-Konzert im National Heroes Park in der Hauptstadt Kingston.  Wie durch ein Wunder wurde bei diesem „Ambush in the night“ (späterer Titel eines Songs von Marley) niemand tödlich verletzt. Bob kam mit einem Streifschuss über Brust und Arm davon, seine Frau Rita traf ebenfalls ein Streifschuss am Hals. Manager Don Taylor, der sich mit Marley im Haus befand,  wurde ebenfalls von einem Schuss getroffen. Alle Drei haben diesen feigen Überfall ohne nachhaltige Folgen überstanden. Wie es auf einer kleinen Insel mit damals 2,5 Millionen Einwohnern nicht ausblieb, griffen die verschwörungstheoretischen Spekulationen schnell um sich. Für die Einen sollten es Anhänger der konservativen Jamaica Labour Party (JLP) gewesen sein, die im Wahlkampf gegen die sozialistische People’s National Party (PNP) antrat und der man Marley eine gewisse Nähe andichtete. Für andere war es gar die CIA, die die liberalen Botschaften in den Songtexten Marleys damit unterdrücken wollte. Die Täter wurden nie gefasst, und es hat auch nie eine Aufklärung der Hintergründe gegeben. Ähnlich sollten elf Jahre danach die Bandmitglieder Carlton „Carly“ Barrett und Peter Tosh durch Hinterhalte ermordet werden. Dazu später mehr. 
Die Ironie des Überfalls war allerdings, dass – wie erwähnt – zwei Tage später das „Smile-Jamaica“-Konzert stattfinden sollte. Ein Konzert, das ausgerechnet konzipiert war, Frieden zwischen den beiden bis zum Stehkragen bewaffneten politischen Parteien zu schaffen. Marley trat trotz Verletzung auf, und die Band „Bob Marley & The Wailers“ stand plötzlich vor überwältigenden 80.000 Menschen. Die Überraschung darüber stand der Background-Sängerin Judy Mowatt selbst fast 40 Jahre später bei ihrer Darstellung im Marley-Film noch auf der Stirn.
 
Die ganze Rezension (Teil 1) lesen Sie in der Ausgabe 04/2012 

Aufmarsch der Mauerschützen

Samstag 07 Mai 2011 um 08:45 Uhr von beatOpa in ZELLULOID & DVD

Von Tim Fabian Kloss

Der renommierte Berliner Filmregisseur Leander Haußmann (52, „Sonnenallee“), produzierte 2005 den Spielfilm NVA, der mittlerweile auch als DVD erhältlich ist. Das Werk ist eine satirische Zustandsbeschreibung der sogenannten „Volksarmee“, von der „DDR“-Zeit bis zu den letzten Monaten der kommunistischen Armee 1990. So parodistisch der Film ist – so nah ist er traurigerweise an der Wahrheit.

Die weltfremden und völlig entrückten Anhänger dieser selbsternannten „Friedensarmee“ gibt es heute noch und so humoristisch deren Getue anmutet, wirklich lustig ist es nicht. Anfang März trafen sich rund 100 Ex-Militärs der Nationalen Volksarmee (NVA) der „DDR“ im Café des Berliner Tierparks, um das 55-jährige Bestehen einer Armee zu feiern, die es seit gut 20 Jahren nicht mehr gibt. Der eine oder andere Passant wird sich die Augen gerieben haben. Zwar fielen die Feierlichkeiten mitten in die Karnevalszeit, aber dass die stolzen Männer in ihren NVA-Uniformen und zum Teil sogar mit Paradesäbel erschienen, war nicht karnevalistisch gemeint, sondern ihr voller Ernst. Star-Gast des Tages, war der im Politbüro-Prozess zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilte „DDR“-Verteidigungsminister Heinz Kessler (91). Am Abend war die Jugend dran: Egon Krenz (72) und Hans Modrow (83) feierten im vietnamesischen Kulturzentrum den 65. Geburtstag der „Freien Deutschen Jugend“ (FDJ). Die Militär-Nostalgiker sind im sogenannten „Traditionsverband Nationale Volksarmee“ organisiert. Dabei handelt es sich um einen eingetragenen Verein, der im Dezember 2008 gegründet wurde und sich offiziell der Traditionspflege und „Friedenssicherung“ widmet. Die Bundesgeschäftsstelle befindet sich in der Josef-Orlopp-Straße 89, einem gewöhnlichen Wohnhaus im Ost-Berliner Stadtteil Lichtenberg. Zu den Gründern und Unterstützern des Vereins gehören ehemalige ranghohe NVA-Offiziere, darunter auch der umstrittene „DDR“-Kriminalist Jürgen Cain Külbel - jetzt selbsternannter Journalist und Verfasser kurios anmutender Verschwörungstheorien. 

Die Sause der roten Veteranen zum 55. Jahrestag der NVA, stieß in Berlin auf breites Unverständnis. Der Pächter des Cafés, der seine Räumlichkeiten für die skurrilen Gäste zur Verfügung stellte, wurde durch die Tierpark Berlin GmbH abgemahnt. 

Den ganzen Beitrag lesen Sie in der Ausgabe 03/2011 

Die Macht der Spiritualität

Donnerstag 20 Januar 2011 um 09:06 Uhr von beatOpa in ZELLULOID & DVD

Von Thomas Steierhoffer

Dem Zuschauer verschlägt es den Atem, als islamistische Terroristen in Algerien eine Gruppe von kroatischen Bauarbeitern regelrecht abschlachten. Sie schneiden den Männern, die Aufbauarbeit leisten in dem nordafrikanischen Land, das einst französische Kolonie war, bestialisch die Kehlen durch. Nach einer wahren Begebenheit erzählt Xavier Beauvois, wie französische Trappisten-Mönche in Algerien zwischen die Fronten von Terroristen und korrupter Armee geraten. Die Inszenierung wird dabei vom ritualisierten Klosteralltag bestimmt. „Von Menschen und Göttern“ (Des hommes et des dieux) erlebte nach seiner Uraufführung in Cannes ein enormes Medienecho und wurde zuletzt sogar mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet. Der Grund für diese Begeisterungsstürme schien nicht allein mit dem Film selbst zu tun zu haben, sondern auch mit seinem Sujet. Schließlich ist das konfliktreiche Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Religionszugehörigkeit nach wie vor ein aktuelles politisches Thema. 

Die gesamte Rezension lesen Sie in der Ausgabe 01/2011 

"Facebook" jetzt im Kino

Freitag 19 November 2010 um 10:20 Uhr von beatOpa in ZELLULOID & DVD
Von Thomas Grund
Programmierer bezeichnen sich als „Nerds“ oder „Geeks“ und sind entweder hinter dem Schirm hockende Langweiler, die sich der realen Welt weitestgehend  in eine Welt aus Zeichen und Codes entzogen haben oder abgedrehte Typen, die sich hinter dem Schirm in eine Welt aus Zeichen und Codes verzogen haben und von der realen Welt weitestgehend unverstanden bleiben. In Filmen nimmt der Programmierer bzw. Hacker meist diese kleinen Nebenrollen ein, in denen er mit Brille und leicht angegrautem, schütterem Haar für die Haupthelden irgendwelche Datenbänke knacken und zum Erstaunen der anwesenden Filmfiguren wichtige Informationen beschafft oder Zugänge öffnet.
Die Idee, einen Spielfilm über die Entwicklung von Facebook zu produzieren, wäre eigentlich von minderen Erfolgsaussichten gekrönt, da wenig Spektakuläres bei seiner Entstehung passierte. Facebook entstand in der Harvard University, ursprünglich als interne Vernetzungsidee der dortigen Studenten. Von da aus verbreitete sich das Netzwerk auf die High-Schools in den USA und dann auf die Hochschulen außerhalb der USA. Bis schließlich die ganze Welt und Jedermann den Zugang bekam. Die Entwicklung dieser Plattform brachte dem 26-jährigen Mark Zuckerberg nicht nur Erfolg, sondern auch Milliarden ein. Und damit genug Geld, um als Filmfigur von Interesse zu sein und um genügend Kinobesucher zu garantieren.
 
Den ganzen Beitrag lesen Sie in der Ausgabe 06/2010 

Die Kraft der Musik sprengt alle Ketten

Sonntag 12 September 2010 um 08:39 Uhr von beatOpa in ZELLULOID & DVD

Sommerkino aus Frankreich: "Das Konzert"

Von Jochen Schmachtel 

Der Abend verspricht ein Fiasko zu werden. Auf dem Programm steht Tschaikowskys Konzert für Violine und Orchester – das Stück gilt als wenig populär und ist längst nicht abendfüllend. Zwei der verlottert aussehenden Musiker stolpern verspätet auf die Bühne, schief und krumm stimmt das Orchester an, das Publikum im Pariser Théâtre du Châtelet tauscht skeptische Blicke aus. Auch die in letzter Sekunde zum Auftritt überredete Violinsolistin Anne-Marie Jacquet stellt sich, das verrät ihr Gesicht, aufs Schlimmste ein. Doch dann spielt sie sich mit Andreї Filipovs aus Moskau angereisten Musikern in einen Rausch. Der Abend wird ein Triumph. 

Mehr noch als die Musik schlägt ein Blickwechsel in seinen Bann. Die Schlusssequenz in „Das Konzert“ (Le concert), furios geschnitten und gespielt, fasst die Vorgeschichte von Andreї (Alexeї Filipov) und Anne-Marie (Mélanie Laurent) noch einmal in Blicken und Tönen zusammen. Eine lange, privat wie politisch vertrackte Vergangenheit verbindet die zwei – den einstigen Stardirigenten des Bolschoi-Orchesters, der in der Breschnew-Ära entlassen wurde, weil er sich weigerte, jüdische Musiker hinauszuwerfen, und die gefeierte, streng protegierte Stargeigerin, die als Kind verschlungene Wege von Moskau nach Paris führten. Während des Konzerts eingestreute Flashbacks reichen die letzten Bausteine ihrer Geschichte nach, an deren Ende eine musikalische und menschliche Befreiung steht. 

Ein zufällig abgefangenes Fax steht am Beginn dieser Geschichte. Der längst zum Hausmeister degradierte Ex-Dirigent putzt gerade das Büro seines Chefs, als die Einladung aus Paris eintrifft. Weil ein US-Orchester abgesagt hat, sucht man preisgünstigen Ersatz aus Russland. Andreї unterschlägt das Schreiben, und mit dies- und jenseits der Leinwand ansteckendem Enthusiasmus macht er sich an die Verwirklichung seines Lebenstraums: die „Band wieder zusammenbringen.“ Und eben jenes Tschaikowsky-Konzert, mit dessen Unterbrechung seine Karriere endete, noch einmal aufzuführen. Neben seiner Frau (Anna Kamenkova Pavlova) und seinem besten Freund Sasha (Dmitri Nazarov) hilft ihm dabei auch ein früherer Feind – der linientreue Kommunist Ivan (Valeri Barinov), einst Manager des Theaters und noch heute brillanter Organisator, der richtige Mann für ein Täuschungsmanöver dieses Ausmaßes. 

Die ganze Rezension lesen Sie in der Ausgabe 05/2010

Diktatur beginnt mit Erziehung - "Das weiße Band"

Dienstag 23 März 2010 um 15:09 Uhr von beatOpa in ZELLULOID & DVD

Ein Dorf irgendwo in Preußen am Vorabend des Ersten Weltkriegs. Mysteriöse Dinge geschehen auf dem Gut eines Barons (Ulrich Tukur), dessen Ehefrau (Ursina Lardi) es vorzieht, mit ihren Kindern nach Italien zu gehen, um sich der patriarchalischen Herrschaft ihres Gatten zu entziehen. Ein unsichtbar gespanntes Seil bringt das Pferd des Arztes vor dessen Haus zu Fall. Der Doktor verletzt sich schwer und muss für viele Wochen ins Krankenhaus der nächsten Stadt. Derweil verunglückt die Ehefrau eines Bauern im Sägewerk des Barons tödlich. 
Der Schwarzweißfilm des österreichischen Regisseurs Michael Haneke hat einen klassischen Erzähler: den 35-jährigen Dorflehrer (Christian Friedel), der später um die Hand des Kindermädchens im Haus des Barons (Leonie Benesch) anhalten wird. Die Dorfgemeinschaft trifft sich sonntäglich zum protestantischen Gottesdienst, dessen erster Zeremonienmeister selbstredend der Pastor des Dorfes ist. Der sittenstrenge Mann im schwarzen Talar und weißer Halsschleife, gespielt von Burghart Klaußner, der auch den Konfirmationsunterricht leitet, lässt seine pubertierenden Kinder für geringfügige Vergehen wochenlang ein weißes Band am Arm tragen. Zur Erinnerung an die Tugenden der „Reinheit und Keuschheit“, von deren Pfad sie nach seiner Einschätzung abgewichen sind. Seinen heranwachsenden Sohn fesselt der fromme Mann nachts an sein Bettgestell, auf dass er nicht „den Versuchungen seines jungen Leibes“ erliegen möge. Zuvor erzählt er ihm vom Siechtum eines Altersgenossen, dem ob seiner suchtartigen Berührungen „der feinsten Nervenenden seines jungen Körpers“ zunächst Eiterbeulen im Gesicht und am ganzen Körper gewachsen seien, später sei er von seiner „Sucht und Unkeuschheit“ gar vom Tode hinweggerafft worden, so der Vater zum Sohne. Der Pastor züchtigt seine Kinder, lässt sich von ihnen mit „Herr Vater“ ansprechen und regelmäßig die Hand küssen. Eines Tages findet er seinen geliebten Wellensittich mit einer Haushaltsschere erstochen auf dem Schreibtisch seines Arbeitszimmers. Der Verdacht richtet sich gegen die Tochter und den Sohn...

Die gesamte Filmkritik finden Sie in der Ausgabe 02/2010

Subjekt leidenschaftlicher Liebe

Montag 21 September 2009 um 11:38 Uhr von beatOpa in ZELLULOID & DVD

Drei Großmeister an der Stromgitarre tauschen sich aus

Von Thomas Steierhoffer

Gut beraten ist, wer ausreichendes Wissen über Rockgeschichte und Rocktheorie mitbringt. Sehr gut drann ist, wem dann auch noch das notwendige Rockverständnis in die Wiege gelegt wurde wenn es heißt: „It Might Get Loud“. Laut wird es tätsächlich, wenn sich drei herausragende Gittaristen zum Austausch treffen und einer dem anderen seine „Tricks“ verrät. Mehr über die „Tricks“ der anderen zu erfahren, ist das primäre Ziel des in Detroit aufgewachsenen Jack White von den „White Stripes“. Das bekennt er auf dem Weg zu den Sessions mit The Edge von „U2“ und dem Großmeister der Stromgitarre, dem heute völlig ergrauten Jimmy Page der legendären „Led Zeppelin“. 
Tack, tack, tack klopft Jack White mit einem Zimmermannshammer auf ein Stück Holz, über das er eine einzige Stahlsaite spannt. Als Steg dient eine leere Flasche. Als zehntes von zehn Kinder hatte er es früh gelernt, zu improvisieren. Seine E-Gitarre besteht aus einem Brett, einer leeren Colaflasche, einer Saite und einem primitiven Tonabnehmer. „Wer sagt, dass man sich eine Gitarre kaufen muss?“ fragt der Typ, nachdem er mit seinem röhrenden Sound das Vieh auf der Weide vor dem alten Farmhaus in Tennessee verstört hat...

Die ganze Rezension lesen Sie in der Ausgabe 05/2009

Eine Erinnerung an Frank Beyers Film „Der Aufenthalt“

Montag 21 September 2009 um 11:34 Uhr von beatOpa in ZELLULOID & DVD

Von Matthias Horwath

Im Oktober 1945 glaubt eine Polin in dem jungen deutschen Kriegsgefangenen Mark Niebuhr jenen SS-Mann wieder zu erkennen, der ihre Tochter auf dem Gewissen hat. Ohne zu erfahren, was man ihm vorwirft, wird Niebuhr zunächst in Einzelhaft gesteckt. Bei einem Krankenhausaufenthalt wird er erstmals mit dem Verdacht konfrontiert, unter dem er steht. Danach kommt er in eine Zelle mit ehemaligen SS-Offizieren, die immer noch dem alten Geist anhängen. Dort wird sich Niebuhr der Ausmaße der NS-Verbrechen bewusst...
 

Die ganze Rezension lesen Sie in der Ausgabe 05/2009


Ein Fremdwort mit vertrautem Klang

Freitag 29 Mai 2009 um 08:36 Uhr von beatOpa in ZELLULOID & DVD

"Unbeugsam" - der neue Film mit Daniel Craig

Von Matthias Horwath

Der neue Film mit Daniel Craig, „Unbeugsam – Defiance“, erzählt eine unbekannte wie wahre Geschichte aus dem jüdischen Widerstand. Die Bielski-Brüder Tuvia, Zus, und Asael, die nach dem Überfall ihres Dorfes im polnischen Weißrussland 1941 durch die Deutsche Wehrmacht ihre Familie sowie fast die ganze jüdisch geprägte Dorfgemeinde auf einen Schlag verlieren, bildeten eine bewaffnete Widerstandsgruppe.
Der Holocaust nimmt gerade seinen unfassbaren Verlauf zur Industrialisierung des Mordens. Noch werden von der SS in den Wäldern Massenerschießungen verübt, bevor später über SS und Wehrmacht die industrielle Tötung in Kollaboration mit der Deutschen Reichsbahn anläuft. Nichts von dem würde ohne bereitwillige Kollaborateure vor Ort funktioniert haben. So wird im Film mit dem Überfall der Wehrmacht auf das weißrussische Dorf ein relativ fokussiertes Szenario eingebracht, um der unfassbaren Dimension des Verbrechens wenigstens ein wenig habhaft werden zu können. Der Film zeigt einen Prozess, in dem die drei Brüder, die immer wieder Assoziationen an die Brüder Karamasow wecken, einen Leidensweg durchleben, bei dem ein symbolisches Charakteren -Dreieck letztlich auf Gott hinweist. Die Frage nach dem anwesenden oder den abwesenden Gott generell begleitet schlussendlich die jüdische Thematik des Films.

Den ganzen Beitrag lesen Sie in der Ausgabe 3/2009

Oscar für Kurzfilm "Spielzeugland"

Freitag 03 April 2009 um 14:48 Uhr von beatOpa in ZELLULOID & DVD

Geht tief unter die Haut

Von Thomas Steierhoffer 

Kürzlich hatte die ARD ihr Nachtprogramm spontan geändert. Angeschlossene Landesanstalten zogen in den folgenden Tagen nach. Gezeigt wurde der in Hollywood gerade mit einem Oscar geehrte Kurzfilm „Spielzeugland” des Berliner Regisseurs Jochen Alexander Freydank. Der aufwendig produzierte Spielfilm ist bereits seit 2007 auf dem Markt und wurde mit zahlreichen internationalen Preisen dekoriert. „Spielzeugland“ ist gerade einmal 14 Minuten lang und geht tief unter die Haut: Hermann und David sind „Blutsbrüder”. Sie wohnen im selben Haus und üben unter der Anleitung von Davids Vater das vierhändige Klavierspiel. David ist Jude, Hermann ist ein deutscher Junge, der bei seiner Mutter aufwächst. Eines Tages muss die jüdische Familie „verreisen”.

Den gesamten Beitrag lesen Sie in der Ausgabe 2/2009

Sechs Schauspieler sind Bob Dylan

Mittwoch 15 Oktober 2008 um 10:11 Uhr von beatOpa in ZELLULOID & DVD

Von Thomas Steierhoffer 

Wer erinnert sich nicht gerne an Tom & Peggy aus der Kultsendung des DDR-Fernsehens „English for you“? Gemeinsam mit anderen Aktivisten saßen die beiden englischen Kommunisten gerne am Lagerfeuer („Campfire“), das sie zuvor mit Hölzern aus einer Streichholzschatel („Matchbox“) entfacht hatten, und diskutierten über die zynischen Mieteintreiber(„Rentcollectors“) in Großbritannien sowie die Unbilden des Kapitalismus schlechthin. Und dann wurde über die Gründung einer Gewerkschaft („Union“) ernsthaft nachgedacht. Zur Anstachelung der Kreativität griffen die jungen Engländer auch schon mal zur Wandergitarre und sangen Protest-Lieder, die aus der Feder des Amerikaners Bob Dylan stammen ...

Den ganzen Artikel finden Sie in der Ausgabe 3/2008.

Der alte Mann und der Krieg

Dienstag 26 August 2008 um 16:48 Uhr von beatOpa in ZELLULOID & DVD

Eine Filmkritik von Thomas Steierhoffer

Das Durchschnittsalter der Althippies, die sich für die „Freedom of Speech“-Tour quer durch die USA und Kanada auf der Bühne versammelt haben, liegt bei exakt 62,5 Jahren. Gemeinsam haben die Veteranen der amerikanischen Folkmusic und des Rock’n’Roll über die Jahrzehnte hinweg wohl schon den einen oder anderen Joint für Frieden, Völkerverständigung und natürlich Bewusstseinserweiterung geraucht, die eine oder andere Flasche miteinander geleert. Jedoch: „Wir sind keine Demokratie“, erklärt David Crosby, der in Frisur, Schnauzbart und Körperfülle heute an „Obelix“ erinnert. „Neil ist und bleibt der Boss!“ Weil er sich mit all diesen Dingen ständig beschäftige. Und so ist es auch Neil Young persönlich, der die alten Kumpels aus den Tagen der Protestbewegung gegen den Vietnam-Krieg in sein Wohnzimmer bittet, um ihnen zu zeigen, was er zum nicht enden wollenden Krieg im Irak zu sagen hat. „Noch könnt ihr gehen“, lacht der Mann mit dem Peace-Sticker, der dann zu voller Größe aufgezogen das Bühnenbild von Crosby Stills Nash & Young bestimmen wird. Die ergrauten Herren zeigen sich sichtlich erheitert über die Einladung, als Freiwillige („Volunteers“) mitzutun, oder einfach nach Hause zu gehen. Keiner geht. Jeder greift zu seinem Instrument. Während einer improvisierten Session wird der einstimmige Beschluss gefasst, den Blumenkindern von Woodstock und den Vietnam-Veteranen ein Déjà Vu zu liefern ...

Den gesamten Artikel lesen Sie in der Ausgabe Juli/August 2008.

In Würde jung bleiben - Scorsese und die Stones

Sonntag 15 Juni 2008 um 17:22 Uhr von beatOpa in ZELLULOID & DVD

Von beatOpa®

Er fühle sich ziemlich “verbusht”, will Keith dem vormaligen amerikanischen Präsidenten Bill Clinton noch sagen. Doch dazu kommt es bei dem kurzen Intermezzo auf der Bühne des “Beacon Theatre” in New York City im Herbst 2006 nicht mehr. Hier ist keine Zeit für persönlichen Erfahrungsaustausch. Schließlich sollen Mick, Keith, Charlie und Ron die mehr als 30 Gäste der amerikanischen Politiker-Familie noch persönlich begrüßen. Darunter auch die Mutter der Clinton-Gattin, die besonders von Keith fröhlich geherzt wird. Dann sind alle weg und Keith sagt zu Ron: „Ich wollte ihm noch sagen, dass ich mir sehr verbusht vorkomme.“ Lacht, greift die Stromgitarre und zündet sich eine Zigarette an. Es soll nicht die letzte des Abends sein...

(Auszug) Den ganzen Artikel finden Sie in der Ausgabe Mai/Juni 2008

Großartiges Bekenntnis zur Musik

Samstag 14 Juni 2008 um 03:31 Uhr von beatOpa in ZELLULOID & DVD

In Thomas Grubes Film „TRIP TO ASIA - Die Suche nach dem Einklang” geht es um die Musik als höchste Kunstform. Mit großartigen Bildern aus Peking, Shanghai, Hong Kong, Seoul, Taipeh und Tokio dokumentiert Grube die jüngste dreiwöchige Konzerttournee der Berliner Philharmoniker unter Sir Simon Rattle durch Asien. Stress, Druck und eine Form des Entwurzeltseins bestimmen den Alltag vieler Musiker, die dem Zuschauer in Interviews Einblicke in ihre je persönlichen Gefühls- und Lebenswelten gewähren. Doch dann gehen sie alle auf im Orchester, das lange schon als Kollektiv durch die Welt tourt und die Gagen nicht allein dem Dirigenten in die Tasche wirtschaftet. Manche beschreiben sich selbst als „Außenseiter”, als in einer von Hitparaden zugedröhnten Welt „Unverstandene”.

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