Rubriken

Neueste Kommentare

Thomas Steierhoff… (10 Jahre PANKE-SP…): So, die Ausgabe zu 10 Jahre PANKE-SPIEGEL ist frisch aus der Druckerei gekommen und schon an alle Aut…
Olaf (Das Sanatorium He…): In der Gemeindevertretung Panketal wird derzeit ein eventueller Abriss diskutiert. In Panketal werden…
beatOpa (PANKE-SPIEGEL in …): Hier der Link zum Interview: lebenszeitung .de/audio/SBS%20Radio%20Sy dney_19-07-2016k.mp3
Thomas Steierhoff… (Ab 1. Juli im Ein…): Liebe Leserinnen und Leser, es fällt schwer, das kürzlich erschienene Buch „Kassensturz“ von Michae…
beatOpa (Domain ist umgezo…): Wunderbar!
Björn (Domain ist umgezo…): Geht doch!

Stichwörter

Archive

Links


News Feeds

XML-Feed (RSS 1.0) 
XML: Atom Feed 

Editorial P-S 01/2015 vorab

Donnerstag 11 Dezember 2014 at 3:42 pm

Hier das Editorial für die PANKE-SPIEGEL Ausgabe 01/2015 vorab:

Liebe Leserinnen und Leser,

als meine Frau und ich im Sommer 2014 Krakau besuchten, lag es auf der Hand, auch in das größte Vernichtungslager der Nazis im nahegelegenen Auschwitz zu fahren. Unverständlich bleibt, warum die polnischen Wegweiser diesen Ort, der einst die Hölle auf Erden war, heute fast ausnahmslos und ganz trivial „Museum“ nennen. Das Stammlager Auschwitz sowie das unvorstellbar riesige Areal in Birkenau, wo die Schornsteine der Krematorien ohne Unterlass ihre Feuersäulen in den Himmel steigen ließen, wären wohl besser als Massengräber zu bezeichnen, um dem Unsäglichen und den Millionen zumeist jüdischen Opfern wenigstens einigermaßen nahe zu sein. Ohne uns abgesprochen zu haben, wechselten wir beide während der etwa fünfstündigen Führung kein einziges Wort in unserer deutschen Muttersprache. Hinterher tauschten wir unsere Eindrücke und Emotionen aus. Dabei stellte sich heraus, dass wir es unabhängig voneinander für nicht angemessen gehalten hatten, an diesem Ort des unvorstellbaren Leidens und Grauens die Seelen der bestialisch Ermordeten auch knapp 70 Jahre nach der Befreiung der Todesfabrik mit der Sprache der Täter zu quälen. Im wahrsten Sinne des Wortes waren wir sprachlos, denn das, was hier geschah ist in Worten kaum oder gar nicht auszudrücken. Dennoch dachte ich nach, das mit eigenen Augen Gesehene entweder in einer Reportage oder einem Essay zu verarbeiten und zu publizieren. Doch dann las ich in Vorbereitung für den geplanten Beitrag einen relativ kurzen Text von Peter Weiss: „Meine Ortschaft“. Dieser Essay wurde zuerst 1965 in Berlin veröffentlicht. Darin beschreibt der jüdische Autor seinen ersten Besuch in Auschwitz. Bei der Lektüre verschlug es mir zum zweiten Mal die Sprache. Denn Weiss ist tatsächlich in der Lage, seine Gefühle, seine Fragen, seine Trauer und seine Wut in Worte zu fassen, in Worte der deutschen Sprache. Schnell wurde mir klar, dass ich seinen Sätzen nichts, aber auch rein gar nichts hinzuzufügen hatte. Zumal es mich nahezu erschütterte, wie deckungsgleich seine Eindrücke, die er bereits Ende der 1950er Jahre sammelte, den meinen waren. Es kam mir während der Lektüre vor, als wäre die Zeit eingefroren, als wären die Nachgeborenen ob ihres Zu-spät-kommens für ewig gefangen im Unaussprechlichen, denn zwischen dem ersten Aufenthalt des Schriftstellers und meinem in Auschwitz lag gut ein halbes Jahrhundert. Und so fasste ich den Entschluss, weder eine Reportage, noch einen Essay zu schreiben zum großen Gedenken der Befreiung des Vernichtslagers, das zum Sinnbild geworden ist für die Shoa und für das, was der Mensch fähig ist, seinen Mitmenschen anzutun. Dennoch steht diese Ausgabe, mit der wir in den 8. Jahrgang starten, ganz im Zeichen der Befreiung von Auschwitz durch die „Rote Armee“ am 27. Januar 1945.

Thomas Steierhoffer
Chefredakteur

Linkdump