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Panketal bietet Nazis die Stirn

Donnerstag 14 November 2013 at 3:03 pm

Vorab - "Rückblick 2013" und P-S 01/2014


Kleines Asylbewerberheim in Zepernick - Panketal bietet Nazis die Stirn

Im ehemaligen „Dorfkrug“ in Alt Zepernick warten auf zwei Etagen zehn Zimmer auf etwa 20 Flüchtlinge. Wie die Barnimer Sozialdezernentin Silvia Ulonska betont, sind die Räume als Übergangseinrichtung vorwiegend für Frauen mit Kindern gedacht. Asylbewerber werden durch die zentrale Ausländerbehörde des Landes Brandenburg je nach Einwohnerzahl den Kreisen zugewiesen. Der Landkreis Barnim verfolgt dabei das Ziel, sein zentrales Heim in Althüttendorf durch kleinere Einrichtungen zu ersetzen. Die Räume in dem Panketaler Privathaus wurden vom Landkreis angemietet und sollen im Dezember in Betrieb genommen werden.
Im Erdgeschoss gibt es eine geräumige Küche, der Eingangsbereich eignet sich auch als Gemeinschaftsraum. Es gibt auf jeder Etage zwei Bäder. Die Betreuung wird vom Wandlitzer Wohnheim übernommen. Neben der Leitung ist eine Sozialarbeiterin in Panketal im Einsatz.
Er freue sich, dass in Panketal ein Objekt zur Realisierung der dezentralen Unterbringung für Asylbewerber gefunden wurde, sagte Panketals Bürgermeister Rainer Fornell. In der Gemeinde gebe es kaum verfügbaren Wohnraum. Das leerstehende Haus erfahre so eine gute und sinnvolle Nutzung. Welche Nationalitäten in Panketal aufgenommen werden, steht noch nicht fest. Der Landkreis achte aber bei der Auswahl darauf, dass religiöse oder politische Konflikte vermieden werden, so Silvia Ulonska.
In der Regel leben Asylbewerber nach ihrer Ankunft in Deutschland zwischen drei Monaten und einem Jahr in einer Übergangseinrichtung. Sie erhalten hier auch Sprachunterricht.
Als Willkommenszeichen gibt es in Panketal bereits Signale zur Bildung eines Bündnis für konkrete Hilfen. Als denkbar werden gemeinsame Aktivitäten wie Spielnachmittage, Unterricht, Kinderbetreuung oder gemeinsames Kochen angesehen.
Im Barnim werden in diesem Jahr 305 Asylbewerber aufgenommen. Die Aufnahme erfolgt in Althüttendorf, Wandlitz, Eberswalde, Oderberg, Panketal sowie vereinzelt in anderen Orten. Dies folgt der Strategie, solche Einrichtungen dezentral und in der Mitte der Gesellschaft in den Kommunen anzusiedeln.
„Die vorgesehenen 20 Personen stellen bei der Größe unserer Gemeinde überhaupt kein Problem dar“, so Bürgermeister Fornell. Derzeit betrage der Ausländeranteil in Panketal gerade einmal ein Prozent. 
Dass die Begeisterung und die Gastfreundschaft nicht auf ungeteilte Zustimmung treffen würde, war von Anfang an klar. Und so mobilisierte die Barnimer NPD ihren „Demotourismus“ und zog am 13. November mit 20 schwarz gekleideten Anhängern ausgerechnet auf die Verkehrsinsel mit dem Gedenkstein „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, schräg gegenüber des Asylbewerberheimes. Im Gedenken an 75 Jahre „Reichspogromnacht“ hatte arte in der Nacht zuvor Claude Landsmanns „Shoh“ gezeigt. Ein enormes Polizeiaufgebot trennte die Nazis schließlich von den mehr als 300 Panketalerinnen und Panketalern, die mit Pfiffen, lauten Sprechchören und Gesang die dumpfen Ansagen der NPD-Sprecherin Aileen Rokohl übertönten. Allein ihr „Wir freuen uns, heute hier in Zepernick zu sein“, war noch zu hören. Danach ging jede von Hass und Ausländerfeindlichkeit geprägte Propaganda im Lärm der Gegendemonstranten unter. Aus allen politischen Lagern, aus Kirchengemeinden und ganz privat waren die Panketaler, Schönower und Bernauer Bürgerinnen und Bürger vor das Asylbewerberheim gezogen. Hier machten die Demokraten mit brennenden Kerzen, vielen Plakaten, Fahnen und Transparenten deutlich, dass Nazis in der 20.000-Seelen-Gemeinde keinen Platz und keine Chance haben. 

Stimmen

Thomas Dyhr: „Wir haben die Information bekommen, dass die NPD vor dem Asylbewerberheim demonstrieren möchte. Deshalb haben wir unsererseits einen Demonstrationsantrag gestellt und die Menschen über Bündnis 90/Die Grünen Brandenburg mobilisiert, um uns hier schützend vor das Heim zu stellen.“

Klaus Ulrich: „Ich stehe hier für das Asylbewerberheim und für das Prinzip – keinen Fuß breit für die Rechten!“

Dorit Labert: „Ich bin heute hier, weil es mir überhaupt nicht gefällt, dass die Rechten heute hier aufmarschieren und sich gegen das Recht der Asylbewerber stellen, hier eine Unterkunft zu bekommen. Ich hoffe, dass alle ein wenig Platz machen, um diesen Menschen, die aus dem Elend und der politischen Verfolgung zu uns kommen, ein neues Zuhause anzubieten.“

Klaus Labert: „Ich finde es gut, dass diese Menschen ordentlich wohnen können. Und zwar nicht irgendwo an der Peripherie sondern in der Ortsmitte.“ 

Dr. Sigrun Pilz: „Wir wollen hier Asylbewerber aufnehmen, wahrscheinlich schon im Dezember. Deshalb müssen wir aufpassen, dass die Rechtsradikalen das nicht verhindern. Ich habe keine Sorge, dass die Panketaler diese Menschen willkommen heißen. Das sind in erster Linie Frauen mit Kindern, wer soll gegen die etwas haben? Das sind Leute, die geflüchtet sind. Gerade die Deutschen, die selbst flüchten mussten und wissen, wie es Flüchtlingen ergeht, müssen Verständnis haben. Ich werde auch versuchen, eine Aktion zu starten, um diese Menschen zu betreuen.“

Frank Todtmann: „Wir brauchen in Deutschland, gerade auch in Ostdeutschland, einen Wandel in der demographischen Struktur. Und da können diese Menschen uns sehr helfen. Dazu braucht es allein Geduld, denn sie müssen zunächst unsere Sprache lernen und müssen unterrichtet und ausgebildet werden. Ich bin davon überzeugt, dass die Wirtschaftkraft in Deutschland ausreicht, um eine anständige soziale Basis für Asylbewerber zu schaffen. Nach allem was sich Deutschland unter den Nazis, aber auch schon im Ersten Weltkrieg geleistet hat, sind wir nahezu verpflichtet, uns offen und freundschaftlich zu zeigen gegenüber Auslandern.“

Dr. Hubert Hayek: „Aus Solidarität mit all den guten Geistern unseres Ortes stehe ich hier. Wir heißen Fremde willkommen und stellen uns gegen Rechtsradikale. Vom ersten Tag an habe ich das positive Gefühl, dass die Bürger diese Gäste freundlich aufnehmen möchten in der Gemeinde.“

Pastor Gerd Natho: „Für mich ist es ganz wichtig, dass wir heute Flagge zeigen. Wir Christen haben immer etwas dagegen, wenn man gegen Flüchtlinge antritt. Wir sehen in dem Menschen, der bedroht ist, der auf der Flucht ist, unseren Jesus. Wenn das Elend der Welt zu uns nach Panketal kommt, sollte Panketal auf der Seite der Bedürftigen sein. Und das passiert gerade auch hier und heute. Als Kirchengemeinde wollen wir eine Patenschaft für das Haus und seine Bewohner übernehmen, um einfach zu zeigen, dass wir dafür sind, wenn diese Menschen bei uns Ruhe und Frieden finden können.“

Aileen Rokohl: „Ich bin die Kreisvorsitzende der NPD Barnim-Uckermark und heute die Versammlungsleiterin. Der Grund unserer Präsenz ist, dass sich besorgte Zepernicker an uns gewandt und uns um Unterstützung gebeten haben. Sie sind sehr verunsichert, weil dieses Übergangsheim hier im Dezember eröffnet werden soll. Wir wehren uns gegen den stetig steigenden Asylmissbrauch, der hier im gesamten Land Brandenburg und auch in Deutschland durchgeführt wird.“

Sebastian Walter: „Als Bernauer Kreisvorsitzende der Linken bin ich immer vor Ort, wenn Nazis versuchen, Raum zu greifen. Wir sehen hier ja vielleicht 20 oder 30 Nazis, von denen maximal fünf Leute aus der näheren Umgebung kommen. Der Rest kommt aus Berlin. Natürlich ist das Demotourismus und aktuell eine ganz klare Kampagne von denen, in jedes Dorf zu gehen, in dem ein Asylbewerberheim aufgemacht werden soll. Sie machen billige Stimmung auf Kosten der Flüchtlinge, die in diesem Land Schutz suchen. Billigster Populismus ist das! Denn die Nazis haben ja bis heute nichts gelernt aus den dunklen Jahren des Nationalsozialismus. Wir stehen heute und hier erneut für das Menschenrecht auf Asyl ein. Die wollen das natürlich nicht und betreiben ihre armselige Propaganda.“

Katharina Behnke: „Der Grund, warum ich heute hier bin, ist eher eine Gefühlssache. Zufällig habe ich vor ein paar Stunden von einer Nachbarin auf dem Pfingstberg diese Information bekommen, dass hier die Nazis aufmarschieren wollen. Ich wohne jetzt seit 14 Jahren hier, und ich kann mich nicht erinnern, dass in der Vergangenheit irgendwelche Rechten bei uns ihr Unwesen trieben. Persönlich habe ich eine sehr liberale Einstellung und möchte dennoch nicht, dass sich die Rechten in Panketal breitmachen. Es gibt so viel Elend auf der Welt, wenn ich nur an die Menschen in Syrien, Pakistan oder Afghanistan denke, müssen wir im reichen Deutschland unbedingt Hilfe geben.“

PANKE-SPIEGEL 06/2013 - Seit 1. November auf dem Markt

Mittwoch 06 November 2013 at 2:54 pm

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